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Ein Kreuzbandriss ist immer Ausdruck einer schweren Verdrehverletzung des Kniegelenkes. Häufig wird dabei das Knie bei relativ feststehendem Unterschenkel durch eine Drehbewegung des Oberkörpers verdreht, wie z.B. im fixierten Ski-Schuh beim alpinen Skilaufen. Am häufigsten ist das vordere Kreuzband betroffen. Nicht selten liegen zusätzliche Schäden im Knie vor, wie z.B. Meniskusrisse oder Knorpelaufbrüche. Erleidet der Patient im Rahmen eines Unfalles eine solche Komplexverletzung des Kniegelenkes, so wird im Regelfalle einige Tage später eine operative Kniegelenksspiegelung durchgeführt.

Abb. 1: Frischer vorderer Kreuzbandriss mit Einblutungen und zerfetzten Faserbündeln
 
Ziel dieser Operation ist es, die angesprochenen Begleitschäden zu sichern und zu behandeln. Der eigentliche Kreuzbandriss wurde früher auch sofort durch Naht oder Verstärkung mit einem Kunststoffband versorgt. Die Ergebnisse aber waren schlecht. Oft verblieben Instabilitäten oder erhebliche Bewegungseinschränkungen, so dass diese Operationstechnik wieder verlassen wurde.
Wenn der Patient schon älter ist und wenn er keine hohen sportlichen oder beruflichen Ansprüche an sein Knie stellt, so kann die durch den Kreuzbandriss resultierende Instabilität auch alleine durch Krankengymnastik und Muskelaufbau kompensiert werden. In allen anderen Fällen aber sollte eine definitive operative Stabilisierung angestrebt werden, was im Regelfalle etwa 4-6 Wochen nach der Verletzung möglich ist. Standardmäßig wird dabei eine so genannte "autologe Sehnentransplantation" vorgenommen, d.h. es wird körpereigenes Sehnenmaterial für die Verpflanzung gewonnen. Am häufigsten findet dabei die Kniescheibensehne (Patellarsehne) oder eine rückwärtige Oberschenkelsehne (Semitendinosus-Sehne) Verwendung.

Abb. 2: Entnahme der PatellarsehneAbb. 3: Entnahme der Semittendinosus-Sehne
 
Nach Entnahme der Sehnen erfolgt die eigentliche Sehnenverpflanzung mit Bohren der Knochenkanäle und Einziehen des Transplantates auf arthroskopischem Weg.

Abb. 4: Eingezogenes Semitendinosustranplantat (Quadruple) in der Arthrsokopie.
 
Angestrebt wird eine stabile Fixation, die es gestattet, auf eine Ruhigstellung des Kniegelenkes zu verzichten. Dies kann erfolgen mit Schrauben aus Titan (Abb. unten)
oder mit Querbolzen, die resorbierbar sind und sich mit der Zeit im Körper auflösen
(z.B. RigidFix der Fa. Mitek®)

Abb. 5: Röntgenbild nach Kreuzbandersatzoperation. Im Schienbein erfolgte die Fixierung
des Kreuzbandtransplantates mit Interferenzschaube aus Titan (Kurosawa).
 

Abb. 6: Fixierung im Oberschenkel mit auflösenden Querstiften (RigidFix, Fa. Mitek®)
 
Die konkrete Nachbehandlung differiert etwas zwischen den verschieden Operationsverfahren und ist auch abhängig von den Begleitverletzungen. Im Regelfalle wird aber eine ambulante Rehabilitation mit intensiver Physiotherapie über 2 - 3 Monate notwendig sein. Dynamische Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko (z.B. Fußball, Handball, Squash) können erst nach vollständigem Wiederaufbau der Muskulatur aufgenommen werden, dies ist frühestens 6 Monate nach der Operation der Fall.
Auch bei optimal verlaufender Operation und Nachbehandlungsphase muss darauf hingewiesen werden, dass das transplantierte Kreuzband nie eine solch gute Funktion ausüben kann wie das ursprünglich unverletzte. Der ohne Operation regelhaft auftretende Verschleiß des Gelenkes kann aber durch die Kreuzbandplastik zuverlässig weit hinausgezögert und abgemildert werden.
 
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